Denken vs. Kommando

Was macht eine gute Beziehung aus?

Welche Handlungen sind für beide Partner erfüllender?

Was regt den Geist mehr an?

Wie kann ich meinem Partner Hund Erfolgserlebnisse vermitteln und sein Selbstbewusstsein stärken?

Welche Vorgehens- und Lernweise würden wir als Menschen bevorzugen?

 

Ich möchte in diesem Blog auf diese Fragen und das Thema, selbst Denken lassen versus sturen Kommandos einüben, eingehen und möchte Euch das sogenannte "Shaping" näher bringen.

 

Johnny und Luna fragen nach, was als nächstes passiert.
Johnny und Luna fragen nach, was als nächstes passiert.

Mal abgesehen davon, dass unsere Hunde natürlich gewisse "Grundkommandos" beherrschen sollten, ist jedoch die Frage wie wir ihnen diese am besten beibringen. Bereits im Welpenalter ist es äußerst sinnvoll unseren Hunden die Chance zu geben, selbst zu denken.

 

Wie lernen wir unseren Hunden das erste "Sitz" oder "Platz"?

Meist werden sie in die Position gedrängt und wenn sie unserer körpersprachlichen Bedrohung und 700 mal Sitz oder Platz gesagt haben, nachgeben, oft auch noch mit einer Hand am Popo unserer Hunde oder Druck auf die Vorderpartie, belohnt.

 

Wäre es nicht sinnvoller vor dem Hund zu stehen und nichts zu sagen? Zu warten, auch wenn er Welpengemäß herumzappelt.

Solange da zu stehen bis er von selbst eine Position ausprobiert, die uns gefallen könnte?

 

Die gegenseitige Freude dieses Erfolgs wird nicht spurlos an Euch vorbei gehen!

Ihr werdet überglücklich sein, dass das kleine Wauzi selbst angeboten hat, sich zu setzen oder in Platz zu gehen. Und dann muss so richtig belohnt werden!

Dieses Erfolgserlebnis merkt Ihr Euch Beide.

 

Der kleine Hund hat nun gelernt, dass Ihr nichts von ihm wollt, aber wenn er was richtiges für Euch macht, ist das supertoll.

Er hat nun gelernt darüber nachzudenken, was in dieser Situation das Beste und Richtige für Euch Beide ist.

Gegenseitiges Vertrauen und ein gemeinsames Erfolgserlebnis wurde geschaffen, ganz ohne Nachdruck.

Aufmerksam - hab ich das richtig gemacht?
Aufmerksam - hab ich das richtig gemacht?

Dies nennt man Shaping oder Free Shaping.

Das bedeutet, dass ich den Hund selbst zu einer Lösung meiner gestellten Aufgabe kommen lasse und ihn natürlich sofort belohne, wenn er meine Erwartungshaltung und Anforderung auch nur annähernd erfüllen möchte.

 

Dies geht manchmal nur sehr langsam voran, aber es gibt kaum ein falsch oder nicht erfüllt.

Wenn ich meinen Hund vor eine neue Aufgabe stelle, ein Hindernis das zu überwinden ist, an etwas heranführen möchte, ist jede kleinste Annäherung an meine gestellte Aufgabe ein Erfolg.

Beim Shaping gibt es keine Misserfolge.

 

Wenn mein Hund Angst vor etwas, einem Ding, vor einem Menschen oder Hund hat kann ich ihn bereits belohnen, wenn er hinsieht. Das ist ein Erfolg.

Dein Hund lernt in dieser Situation, dass es in Ordnung ist, nach seinem Tempo an die Sache ran zu gehen. Er kann sein Selbstvertrauen nach eigenem Maße, angepasst an die Situation mit Deiner Unterstützung stärken und diese Aufgabe bewältigen.

 

Wenn ich meinem Hund das Jagen abgewöhnen möchte, kann ich ganz klein beginnen. Natürlich ist dafür eine Leine oder Schleppleine vorraussetzung, aber wenn mein Hund auch nur ganz kurz Blickkontakt mit mir aufnimmt, wenn er Beute gesehen hat, ist das spitze. Das wird er sich merken, wie sehr ich mich darüber gefreut habe.

 

Wer schon mal mit einer Reizangel gearbeitet hat, weiss hier ganz genau wovon ich spreche. Es gibt diesen Futterbeutel nicht bevor Du dich hinsetzt oder Platz machst.  Aber das wichtigste ist: Wir befehlen es nicht, wir warten auf eigeninitiative.

 

Und unsere Hunde sind glücklich wenn wir es sind! Sie möchten uns gefallen, sie möchten mit uns zusammen arbeiten, sie möchten in einem Team arbeiten. Und wenn es toller ist zu hinterfragen, als selbst darauf loszugehen und alles selbst zu erkunden, wählen sie den Weg MIT uns.

Entspanntes und vertrautes Miteinander
Entspanntes und vertrautes Miteinander

Was würden wir Menschen uns von unseren Partnern wünschen?

Freuen wir uns eine Einkaufsliste geschrieben zu haben, und es wird alles eingekauft, das auf dem Zettel stand, oder freuen wir uns besonders wenn unser Partner noch das eine besondere mitbringt worüber wir uns besonders freuen? Ohne es erwähnt zu haben.

Ich denke wir alle freuen uns, wenn Menschen eigenständig denken. Und noch schöner ist dies, wenn sie uns damit eine Freude machen wollen. Denn auch die schennkende Person hat eine riesen Freude wenn sie es richtig getroffen hat.

 

Die meisten Menschen lernen am Besten dadurch, Fehler zu machen. Menschen lernen durch Versuch und Mißerfolge. Wir lernen durch ganz viele Anläufe. Und wir lieben es zu Lernen, wenn wir einen Mentor an unserer Seite haben, der uns unsere Fehler Verzeiht und wieder einen Versuch gestattet. Jemanden der an uns glaubt und uns Tag für Tag wieder eine Möglichkeit gibt, den richtigen Weg zu finden.

Wir würden nicht aufgeben, sondern versuchten es jedes Mal wieder unserern "Lehrer" davon zu überzeugen, dass wir es schaffen.

 

Warum sollten wir nicht auch mit unseren Hunden auf diese Weise arbeiten. Lassen wir sie nachdenken, was uns freude macht. Wie sie zu ihrem Ziel kommen. Wie sie unsere erwartung erfüllen können.

Wie auch unsere Hunde die Beziehung zu uns stärken können und unser Vertrauen gewinnen können.

Erfolgserlebnis für Luna - Sie hat die Lösung gefunden.
Erfolgserlebnis für Luna - Sie hat die Lösung gefunden.

Wenn Ihr beginnt Eure Hunde selbst denken zu lassen, manchmal kann das minutenlange dauern, werdet ihr ganz spannende Erlebnisse erfahren. Ihr und Eure Hunde! Dann beginnt die Erfolgsgeschichte und die Beziehung wird aufgrund von gemeinsam bewältigten Fragestellungen wachsen. Eure Hunde werden glücklich sein, etwas selbst gelöst zu haben und werden es Euch danken, dass Ihr die nötige Geduld hattet, sie selbst denken zu lassen, bis sie die Lösung gefunden haben.

© Hoof & Paw Tierberatung, Christoph Simonnet