Körpersprache, Lob und Tadel

In diesem Artikel möchte ich Euch, aus meiner Sicht, näher bringen wie wichtig es ist die richtige Körpersprache Eurem Hund gegenüber zu haben, damit er Euch versteht und was Lob für Euren Hund bedeutet und wie man es am besten einsetzt. Aber auch wie man richtig tadelt und zurechtweist, wenn ein Verhalten nicht gewünscht oder nach Euren Vorstellungen ist.

Ich versuche stets mit meinen und auch anderen oder Hunden von meinen Kunden in Ihrer Sprache zu sprechen, damit sie mich verstehen können. Dies ist nicht immer einfach, denn die meisten Hunde kennen sich gar nicht mehr aus, wenn man als Mensch versucht so zu agieren, verständlich zu sein.

Denn viele unserer Hunde haben gelernt, uns mit all unseren sprachlichen Differenzen und Macken, zu lesen.

Sie müssen mit uns klar kommen, da wir erwarten, dass sie sich an unsere Kommunikation anpassen.

Können wir unseren Hunden hierbei nicht ein bisschen mehr entgegenkommen?

Können wir nicht lernen klar und deutlich mit ihnen zu "sprechen" im Sinne von körpersprache, so wie es auch Hunde bereits im Welpenalter von Ihren Müttern lernen?

Ich denke, als treue Begleiter seit knapp 30.000 Jahren hätten sie es verdient, dass wir zumindest versuchen sollten, mit ihnen in ihrer (Körper)Sprache zu sprechen.

Zu allererst möchte ich über das richtig eingesetzte Loben sprechen.

Wer hat schon mal Hunde einander loben gesehen?

Niemand!

Hunde loben einander nicht!

Hunde, im Team, arbeiten gerne zusammen, sie erkunden gerne gemeinsam die Wege die sie gehen.

Sie sind Rudeltiere und unterstützen sich gegenseitig, helfen einander um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Aber sie werden nicht überschwänglich, wenn der Rudelpartner etwas besonders gut gemacht hat. Die Akzeptanz und das gegenseitige Vertrauen steigt bei gemeinsam bewältigten "Problemen".

Wenn man Hunde wirklich in der Zusammenarbeit beobachtet, sieht man lediglich kurze Blickkontakte zwischen den Tieren und vielleicht ein kurzes und zartes Schwanzwedeln.

Dies bedeutet: Ich vertraue Dir, es ist in Ordnung was Du tust. Das passt mir, weiter so, hab nichts dagegen.

 

Wenn wir Menschen mit unseren Hunden Unternehmungen machen, unsere Hunde trainieren, ihnen dies oder das beibringen möchten, sind wir permanent aus dem Häuschen, wenn das was wir uns! zum Ziel gesetzt haben, klappt.

Damit kommt ein Hund nicht zurecht, denn das sind zu große und emotionale Gefühlsschwankungen!

 

Ich sehe sehr oft, wie Hunde ihrer Besitzer gaaanz toll gelobt werden, wenn Sie auf ihrem Platz bleiben oder brav und entspannt neben uns gehen, auf Abruf zurück kommen.

Da wird in Baby-Manier herumgekreischt, ja, wie toll er das nicht gemacht hat...Suuuuper! BITTE NICHT!

Denn, wenn mein Hund entspannt ist oder ENDLICH mal ruhig neben uns läuft, möchte ich ihn doch nicht wieder aufdrehen wie ein Duracell-Haserl..

Nichts leichter als einen Hund wenn er gerade "runter gekommen ist" wieder "aufzuganseln".

 

Loben ist wichtig und sehr gut, jedoch ruhig, kurz, leise, ohne großes Aufsehen zu erregen. Denn wie gesagt, Tiere loben sich nicht. Dies ist nicht in ihrem Repertoire vorhanden. Aber sie geben sich mit kurzen und verständlichen Signalen gegenseitigen Respekts ein "OK-Zeichen".

Dies beginnt schon damit, Einen Hund, wenn er vor Euch sitz macht nicht mehr anzustarren oder über ihn zu beugen, sondern respektvoll über ihn drüber zu sehen. Somit verschafft ihr ihm Raum für diese nette Geste.

Nun zum Tadeln...

Heutzutage ist ein Nein verpöhnt. Zischlaute, wie "Pscht" dem Hund gegenüber, werden als nicht mehr Tierschutzkonform angesehen.

Was machen Hunde unter Artgenossen, wenn einem etwas nicht passt? Also ich rede von sozialisierten Hunden und nicht von gezüchteten, trainierten Killermaschinen oder prenatal geschädigten Tieren.

Da werden kurz Zähne gezeigt, kleine laute Luftschnapper, kurzes "Hinterhergekäpple" und somit vertreiben oder von einer Resource wegtreiben.

Wenn einem Hund am anderen etwas nicht passt, wird in der Regel kurz, aber definitiv prägnant Bescheid gegeben. Da wird nicht belohnt, wenn der andere Hund das Verhalten nicht zeigt, sondern gewarnt, wenn er es zeigt! Meist ohne Agression.

Und hier bekommen wir auch wieder den Zusammenhang zur Hundesprache und unserem Verhalten...

Hunde akzeptieren sich, vertrauen ineinander und verzeihen Fehler, wenn innerhalb Ihrer Artgenossen der Respekt hergestellt ist und Regeln beachtet werden.

Hundemamis sind nicht zimperlich...wenn ein Welpe zu weit weg geht oder seine Mutter/Geschwister zu sehr nervt, wird er zurecht gewiesen. zuerst mit so eigenwitzigen Knurrlauten, die man aber definitiv sogar als Mensch als Verwarnung versteht, und wenn der Welpe dann noch immer nicht hören mag, mit Nasenstubsern, oder die Mutter fährt kurz mit der Schnauze ins Genick und/oder trägt den Welpen unsanft auf seine zu verbleibende Stelle zurück.

Was bedeutet dies zusammenfassend für uns Menschen über unsere Kommunikation und Körpersprache mit Hunden?

Ich denke wir sind uns einig, dass wir alle unsere Hunde lieben und das beste für sie und unser gemeinsames Zusammenleben möchten.

Wenn wir nun aber lernen würden, so zu Handeln, im passenden Augenblick, ohne zuviel Emotion, ohne Aggression, unsere Non-verbale Körpersprache dementsprechend einzusetzen, damit uns unsere Hunde noch besser verstehen, würde das das Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis nicht noch mehr stärken und würde das die Beziehung und Bindung besser aufbauen?

Ich denke, dass dies die wichtigsten Punkte für ein gutes, vertrautes Miteinander sind.

 

Aus meiner Sicht bedeutet das:

 

Loben: Unbedingt, jedoch ruhig und relativ emotionsfrei. Bei Trainings von Tricks etc. darf gerne mit Leckerlies gearbeitet werden, aber nicht wenn es um das Miteinander geht.

 

TAdeln: Auf jeden Fall, aber bitte aggressionsfrei und souverän, denn nur so akzeptiert dein Hund Deine Zurechtweisung. Das heisst: kurze, prägnante zurechtweisung und danach wieder erneute Chance auf einen gemeinsamen Erfolg geben.

 

Körpersprache: Versucht Euch in die Körpersprache Eures Hunden hineinzuversetzen und versucht ihn zu verstehen und auch selbst so zu bewegen und zu handeln, damit Euer Hund Euch lesen kann.

Wir korrigieren Handlungen, Bevor wir zurechtweisen oder tadeln müssen.

Wir laden unsere Hunde zu gemeinsamen Tätigkeiten ein. Wir zeigen ihnen, dass sie uns vertrauen können und das Zepter nicht selbst in die Pfote nehmen müssen.

 

Wir geben ihnen klare Zeichen, damit sie sich an unserer Seite auskennen und wohl fühlen und gerne, ohne Zweifel oder Ängste, unsere Partner sind.

© Hoof & Paw Tierberatung, Christoph Simonnet